Tim Kraft

Science Management · Teaching · Philosophy

Category: old post (in German)

  • Der Wert eines Feuerlöschers

    Sokrates vertritt in Platons Menon eine Theorie vom Wert des Wissens, die man die Feuerlöschertheorie nennen kann: Wissen sei besser als bloß wahre Meinung, weil jemand, der Wissen hat, Einwände und Gegengründe abwehren könne. Jemand, der bloß eine wahre Meinung hat, könne das nicht. Wissen hat somit eine Feuerlöscherfunktion: Die Gefahr, durch Einwände und Gegengründe von einer wahren Meinung abgebracht zu werden, wird eingedämmt. In diesem Beitrag will ich nur eine der Thesen dieser Theorie diskutieren, nämlich dass es gut sei, einen Feuerlöscher zu haben. (more…)

  • “müssen” und “sollen”

    Ich bin mal wieder bei der Frage angekommen, ob unter deontischer Normativität das Sollen oder das Müssen zu verstehen ist. Standardauffassung ist, dass alle deontischen Sätze sich mittels „sollen“ paraphrasieren lassen. So steht es (bis jetzt) auch in meiner Dissertation. Durch die Lektüre von Stemmers Buch habe ich ein wenig von meiner Zuversicht verloren. Stemmer behauptet – Details lasse ich weg -, die kanonische Form deontischer Sätze sei „S muss X tun“ und nicht „S soll X tun“. (more…)

  • Werte und Wissen III

    Dies ist der dritte Teil der kleinen Reihe zum Menon-Problem, enthält aber nicht, was er laut Ankündigung im zweiten Teil enthalten sollte. Stattdessen geht es nur um die Frage, wie Sätze der Art „Hasen sind schneller als Igel“ zu verstehen sind. Offenkundig ist der Satz nicht schon deshalb falsch, weil es einen Hasen gibt, der gegen einen Igel ein Wettrennen verliert. Die Frage ist wichtig, weil bei „Wissen ist mehr Wert als bloß wahre Meinung“ das gleiche Problem auftritt. (more…)

  • Wissen und Werte II: Wie über Werte reden?

    Dies ist der zweite Teil einer kleinen Reihe zum Menon-Problem (Teil I ist hier). Eine Antwort auf das Problem wird hier aber nicht vorgestellt; je mehr ich über das Problem nachdenke, desto unsicherer bin ich mir, ob ich mich überhaupt für einen der Lösungsvorschläge werde entscheiden können. Wie auch immer, ich will mich hier einigen, zumeist terminologischen, Vorabklärungen zuwenden. Dies ist – zugegeben – ein wenig vermessen. Jeder, der zum Menon-Problem spricht oder schreibt, beklagt sich an einer Stelle über die Unklarheiten und Mehrdeutigkeiten beim Wertbegriff. Da stehen die Chancen nicht gut, dass mir eine Klärung gelingt. Ich versuche es trotzdem und hoffe auf kritische und ergänzende Kommentare! (more…)

  • Zwei Weisen, „Es ist begrifflich möglich, dass p“ zu verstehen

    Dieser Beitrag präsentiert eine Unterscheidung, die mir seit einiger Zeit in meinen Gedanken herumspukt. Angestoßen von meiner gestrigen Lektüre schaffe ich es vielleicht diesmal, die Unterscheidung (und ihre Relevanz) aufzuschreiben. Also, was bedeutet „Es ist begrifflich möglich, dass p“? Meine These ist, dass es neben der traditionellen Lesart noch eine zweite Lesart gibt. Diese zweite Lesart ist zwar nicht wirklich attraktiv, erlaubt es aber, ansonsten inkonsistente oder unplausible Behauptungen wohlwollender zu deuten. (more…)

  • Könnten alle meine (Außenwelt-) Meinungen falsch sein?

    Die Antwort ist Nein. Das folgende halte ich für wahr:

    (1) Es gibt keine Einhörner.

    (2) Es gibt Säugetiere.

    Aber diese beiden Meinungen können – vorausgesetzt es ist begrifflich wahr, dass Einhörner Säugetiere sind – nicht zugleich falsch sein. Die Konjunktion der Negationen aller meiner (Außenwelt-) Meinungen ist inkonsistent. Also habe ich mindestens eine wahre (Außenwelt-) Meinung. (more…)